Frauen in Führungspositionen- Partnerbörse Szczecin 22-25.09.2014

Was können spanische Feministinnen, um finanzielle Unabhängigkeit kämpfende Deutsche und mit ihrer beruflichen Stellung zufriedene Polinnen voneinander lernen? Eine ganze Menge, wie es sich nach der Begegnung in Szczecin zeigte. Vom 22. bis zum 25. September 2014 organisierte der Verein der Polnischen Gemeinden der Euroregion Pomerania zusammen mit dem bayerischen Partner, Bayerischen Jugendring und dem asturischen Feministinnenverein MILENTA ein deutsch-spanisch-polnisches Projekt, gewidmet der Situation von Mädchen und Frauen im heutigen Leben. Das Projekt hatte den Charakter der Partnerbörse und wir hoffen, dass sich daraus künftig nicht nur ein Partnernetzwerk sondern auch gelungene Jugendprojekte entwickeln. An der Begegnung beteiligten sich Vertreterinnen von Jugendorganisationen, die im Bayerischen Jugendring vereint sind,Feministinnen aus dem spanischen Asturien und Frauen aus der Wojewodschaft Westpommern, die in Leitungspositionen stehen bzw. mit Jugendlichen arbeiten.Unsere Kontakte zum Bayerischen Jugendring reichen bis in die 90er Jahre zurück. Der Verein der Polnischen Gemeinden der Euroregion Pomerania, die Stadt Szczecin und der Bayerische Jugendring (mit 1,8 Mio. Mitgliedern) unterzeichneten 1998 eine Kooperationsvereinbarung. Infolge dessen wurden zahlreiche Jugendprojekte in den Bereichen Segeln, Musik-, Theaterworkshops u.a.durchgeführt. Woher kam also die Idee, eine Partnerbörse und Diskussion über die Rolle der heutigen Frauen zu veranstalten? Während eines der Besuche in Szczecin bemerkte Steffi Bergman vom BJR, dass in jeder aufgesuchten Einrichtung, ob das die Stadtverwaltung, Oper, der Jugendpalast oder das Jugendsekretariat waren, man von Frauen in Leitungspositionen empfangen wurde. Das regte uns dazu an, eine Diskussion über den Platz von jungen Frauen und Mädchen im gesellschaftlichen und beruflichen Leben in unseren Ländern, die Bedeutung der Jugendarbeit (in Spanien besonders die Arbeit mit jungen Frauen) einzuleiten und man versuchte, ein Netzwerk befreundeter Jugendorganisationen aufzubauen. Der MILENTA-Verein arbeitet seit Jahren mit Bayern zusammen und sprach sich positiv über die gemeinsame Diskussion aus. So entstand die Idee, eine Konferenz in Form einer Partnerbörse zu veranstalten, deren Leitthema die Situation der heutigen Frauen in Polen, Deutschland und Spanien sein sollte. Aus Deutschland kamen zu uns Personen, die täglich unter dem Dach des Bayerischen Jugendrings mit Jugendlichen arbeiten und sich für die Möglichkeit der Beförderung und Karriere nicht nur in Deutschland sondern auch in Polen und Spanien interessieren. Den spanischen Partner vertraten junge Personen, die ehrenamtlich mit Jugendlichen, auch behinderten und ausgeklammerten, arbeiten. Zu Beginn der Konferenz schien uns alles zu unterscheiden: das Alter, die berufliche Erfahrung, Bekleidung, sogar die Art, wie wir über uns selbst sprechen. Von Stunde zu Stunde kamen wir uns jedoch immer näher. Unsere Zusammenkunft war reich an langen Gesprächen, Diskussionen und Präsentationen. Der erste Tag war der Integration und Vorstellung von eingeladenen Frauen und ihren Einrichtungen gewidmet. In der Diskussion wurden immer wieder die polnische Geschichte, die sich auf den Mythos der "Mutter Polin" bezog, die aktuelle politische Lage in Spanien, ungleiche Gehaltsverhältnisse in Deutschland sowie das Problem der Kinderbetreuung, vorwiegend in informellen Beziehungen, angesprochen. Die Teilnehmerinnen waren sehr lebhaft und gegenüber neuen Erkenntnissen aufgeschlossen.„Am ersten Tag wurden der öffentliche Schulkomplex  in Radowo Małe und das Kulturzentrum in Barlinek präsentiert. Die Einrichtungen bezauberten mich“, sagte Ina Gruber. Es lohnt sich anzumerken, dass die Bildungsstätten durch ihre Leiterinnen, Ewa Radanowicz und Brygida Liskiewicz, vorgestellt wurden. Jeder Tag endete mit einer Evaluierung, die durch eine Trainerin und Psychologin aus Deutschland, Gabriela Randak, geführt wurde. Ihre offene Fragen, die in nationalen Gruppen behandelt wurden, wandelten sich in vertiefte Gespräche im Forum und ... brachten überraschende Ergebnisse. Die Fragen betrafen u.a. unsere persönliche Berufskarriere, die "gläserne Decke" am Arbeitsort oder den Stellenwechsel mit Männern im beruflichen Leben. Es zeigte sich, dass sowohl in Polen, Deutschland als auch in Spanien die Anzahl von Frauen in Leitungspositionen mit dem steigenden Rang einer Stelle, sinkt. D.h. je höher die Stelle desto weniger Frauen, die den Posten innehaben. In allen Aussagen wurde das Problem des ungleichen Lohns für gleiche Arbeit von Männern und Frauen thematisiert. „Wir wollen mit Männern nicht tauschen, aber wir wollen gleiche Rechte“, unterstrich mehrmals Silvia Pereira Gamez aus Asturien. Weitere Konferenztage beinhalteten eine Reihe von Begegnungen mit erfolgreichen Frauen und lange Gespräche über ihren Werdegang. Das Gespräch mit Marschallin, Frau Anna Mieczkowska, gab uns die Möglichkeit, auf das Leben einer Frau zu schauen, die beruflichen Erfolg erzielte. Das ehrliche Gespräch darüber, wie man die Funktion des Vorstandsmitglieds der Wojewodschaft Westpommern mit anderen gesellschaftlichen und persönlichen Rollen vereinbaren kann, animierte uns zu Gesprächen auch am darauf folgenden Tag. Ebenso hinterließ das Gespräch mit Frau Dorota Serwa, der Philharmonieleiterin, in uns eine beständige Spur. Auf die Frage, ob es für eine Frau schwieriger sei, eine Leitungsposition inne zu haben, lächelte Frau Serwa und sagte, dass es jetzt nicht mehr der Fall sei. Doch die von ihr ausgeübte Stelle erfordere sowohl von einem Mann als auch von einer Frau viel Hingabe und hervorragende Vorbereitung. Letztendlich wird Frau Serwa von zwei anderen Frauen in Leitungspositionen unterstützt, der technischen Leiterin und der ersten Dirigentin. Wir konnten uns unsere Konferenz ohne Frau Aleksandra Kocewicz, der leidenschaftlichen Seglerin, Gärtnerin und beruflich einer Geschäftsfrau, die seit über 20 Jahren erfolgreich das Marina-Camping am Dammschen See führt, nicht vorstellen. Frau Kocewicz konnte aus einem durchschnittlichen Objekt der Polnischen Tourismus-und Landeskundegesellschaft (PTTK) eine europaweit bekannte Perle machen. Einen weiteren Programmpunkt bildete der Besuch im Nationalpark Woliński und das Gespräch mit der Leiterin, Frau Arleta Siarkiewicz-Hoszowska sowie mit der stellvertretenden Bürgermeisterin von Międzyzdroje, Frau Katarzyna Kuterba-Gnitecka. All diese Begegnungen bereicherten unsere Teilnehmerinnen und sie gewannen so neue Eindrücke und persönliche Erkenntnisse. Wir wissen, dass das von uns gezeigte Bild der polnischen Frau in einer Leitungsposition nicht ganz der Wahrheit entspricht. In unserem Leben sind immer noch Bereiche sichtbar, in denen Männer vorherrschen. Nichtsdestotrotz hatten wir als Veranstalterinnen der Begegnung das Recht darauf, zufriedene, beruflich erfolgreiche Frauen und starke Persönlichkeiten zu zeigen. Als Polinnen waren wir sehr stolz auf sie.

Kurier Szczeciński, 22.10.2014r.

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